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China verlangt Pornofilter auf allen PCs

Dienstag, 9. Juni 2009 / 09:04 h
 
Peking - Die chinesische Regierung plant, dass bei allen ab 1. Juli in China verkauften PCs der Webfilter «Green Dam-Youth Escort» mitgeliefert werden muss. Offiziell soll diese Software speziell junge Nutzer vor schädlichen Inhalten wie insbesondere Pornografie schützen.  (ht/pte)



Bespitzelungsintentionen sind denkbar.

 
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Allerdings könnte die Software den Regierungs-Zensoren einen noch nie da gewesenen Grad an Kontrolle darüber geben, auf welche Webinhalte chinesische Bürger zugreifen können. Doch hat China schon bisher eine wirkungsvolle Internet-Zensur betrieben.

«Eine Software am PC kann also eher zusätzliche Informationen über das Individuum und sein Verhalten liefern, als die generelle staatliche Kontrolle massgeblich verbessern», meint daher Klaus Thurnhofer, Geschäftsführer bei Cyan Networks. Auch ist nicht auszuschliessen, dass die Software tatsächlich dem Jugendschutz dienen könnte.

Zunehmende Verbreitung

Die von Jinhui Computer System Engineering entwickelte Green-Dam-Software dient laut Unternehmens-Gründer Bryan Zhang dazu, dass Eltern Kindern den Zugriff auf ungeeignete Webinhalte verbieten können. Das Unternehmen verwalte eine Liste von Webseiten, die auf Pornografie-Seiten beschränkt sei, und blockiert diese. Verschiedene Pornofilter als Jugendschutzmassnahme finden auch im Westen zunehmend Verbreitung - teils mit staatlicher Unterstützung.

Die australische Regierung etwa hatte bis Ende 2008 im Rahmen der Initiative NetAlert kostenlos Filtersoftware zum Download angeboten. «Der grosse Unterschied ist zunächst einmal, dass es im Westen bisher keine Pflicht ist, solche Software mitzuliefern», meint Joe Pichlmayr, Geschäftsführer bei Ikarus Software im Gespräch. Letztendlich bliebe die Frage offen, was mit einem solchen Programm tatsächlich gemacht wird.

Sammlung vertraulicher Informationen

Zhang zufolge könnte Green Dam zwar sehr wohl auch andere Inhalte als Pornografie filtern und auch vertrauliche Nutzerdaten sammeln, allerdings habe Jinhui keinen Grund, das zu tun. «Aus westlicher Sicht klingt das natürlich bedenklich», meint Pichlmayr. Allerdings muss die Software offenbar nicht vorinstalliert, sondern nur mit dem PC mitgeliefert - etwa auf CD-ROM - werden.

Zhang zufolge sei auch ein Deaktivieren oder eine Deinstallation möglich. «Software am PC jedenfalls kann von versierten Nutzern immer in irgendeiner Weise immer 'ausgehebelt' werden», betont Thurnhofer. Zur Zensur sei ein zentral gesteuerter Ansatz, wie er in China offenbar schon lange existiert, letztendlich effizienter. Laut Wall Street Journal haben ausländische Tester Fehlfunktionen bei Windows und eine möglicherweise erhöhte Anfälligkeit gegen Hackerattacken beobachtet. Solche Probleme könnten allerdings einfach ein Zeichen einer qualitativ schwachen Programmierung sein.

Ungerechtfertigte Kritik?

«Aber ist das Ansinnen der chinesischen Regierung Bedacht auf die gefährdeten Kinder oder doch eher die Kontrolle der Bürger», hinterfragt Thurnhofer. Er ortet dabei aber ein Risiko, dass Green Dam ein staatliches Bespitzelungstool sein könnte. Pichlmayr wiederum gibt sich skeptisch, ob ein offenbar gar nicht verpflichtendes Software-Tool der chinesischen Regierung als Kontrollwerkzeug letztendlich wirklich gute Dienste leisten könnte.

«Es wäre doch wesentlich effektiver, Microsoft zu entsprechender Funktionalität bei Windows zu zwingen», so der Sicherheitsexperte. Gänzlich auszuschliessen ist letztendlich nicht, dass Green Dam tatsächlich Kinder schützen soll und aufgrund Chinas langer Tradition der Internet-Zensur ungerechtfertigt als Kontrollwerkzeug in die Kritik geraten ist.


 
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