

Multimilliardär Warren Buffett greift zu.
|
|
|
|
|
Der wohl reichste Mensch der Welt pumpt in die gebeutelte US-Investmentbank Goldman Sachs mindestens fünf Milliarden Dollar. «Der richtige Zeitpunkt für einen solchen Einstieg?» fragten am Mittwoch nicht nur die weltweit unzähligen Buffett-Jünger, die seit Jahrzehnten an den Lippen des netten älteren Herren kleben.
Der 78-Jährige ist ein ausgebuffter Investor, der nach eigenem Bekunden nur in Unternehmen investiert, deren Geschäft er versteht. Als übermässig risikofreudig gilt er nicht.
Enormes Vermögen
Über seine börsennotierte Holding Berkshire Hathaway in Omaha (Nebraska) schuf er ein enormes Vermögen für sich und seine Anleger. Die Berkshire-Aktie ist die teuerste der Wall Street.
Sie kostete zuletzt rund 130'000 Dollar - ein einzelnes Papier wohlgemerkt. «Orakel von Omaha» nennen ihn seine Anhänger so ehrfürchtig wie dankbar.
Zuletzt warnte jedoch auch Buffett vor sinkenden Gewinnen angesichts der Krise.
Das Geld der Holding steckt vor allem in zahlreichen grösseren US-Unternehmen, viele aus der Versicherungszunft, aber auch Versorger, Restaurantketten, Textilfirmen und Grosshandelskonzerne.
Im Sommer warb Buffett in Lausanne gerade auch bei Schweizer Familienunternehmen, sie sollten doch bei einem fehlenden Nachfolger an ihn denken.
«Rosinenpicker»
Nun also Goldman Sachs. Die Anleger jubelten, liessen die Bank-Aktie klettern, sprachen von einem «kräftigen Vertrauensbeweis» - kein Wunder nach einer der schwärzesten Wochen der US-Finanzbranche mit Insolvenzen, Beinahe-Pleiten und staatlichen Milliardenstützungen in historischem Ausmass.
Doch Experten warnen vor überschwänglichen Hoffnungen für Finanztitel allgemein. Buffett gelte als erfahrener Rosinenpicker mit gutem Riecher. Warme Worte gab es von ihm denn auch keineswegs für die ganze Branche, sondern allein für seine jüngste Beteiligung: «Goldman Sachs ist eine aussergewöhnliche Institution.»
Lukrative Konditionen
Ausschlaggebend für die Milliardenspritze werden letztlich doch die lukrativen Konditionen gewesen sein: Goldman Sachs garantiert Buffett für seine Vorzugsaktien eine Dividende von satten 10 Prozent.
Zudem darf Buffett binnen fünf Jahren weitere Papiere für nochmals fünf Milliarden Dollar nachkaufen zu einem festgelegten Kurs von 115 Dollar. Zuletzt stand die Aktie deutlich höher bei gut 125 Dollar.
Den auf Sicherheit bedachten Buffett dürfte zudem beruhigt haben, dass sich mit Goldman Sachs und Morgan Stanley die zwei letzten der einst fünf unabhängigen US-Investmentbanken gerade in gewöhnliche Geschäftsbanken umwandeln. Sie unterwerfen sich damit einer weitaus strengeren staatlichen Kontrolle.
Denn dass Buffett mit Blick auf die Kreditkrise nicht gerade grosse Stücke auf Banken und ihre riskanten Geschäfte mit US-Hypotheken hält, ist bekannt: «Die Leute, die diese giftige Limonade gebraut haben, haben am Ende ziemlich viel davon selbst getrunken», sagte er einmal.

|