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Mediendeal wird Fall für Bakom

Dienstag, 15. Juni 2010 / 10:14 h
 
Die Pressekonzentration in der Ostschweiz wird ein Fall für das Bundesamt für Kommunikation. Die Konzession von «Tele Ostschweiz» könnte unter Umständen neu beurteilt werden. Um diese bewirbt sich Günter Heuberger mit seinem Projekt «Tele Säntis».  (Harald Tappeiner/news.ch)



Der «Bannwald der Demokratie» scheint zunehmend bedroht.

 
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Nach dem Deal zwischen Tamedia und der NZZ-Gruppe, dem Tausch der «Thurgauer Zeitung» gegen Beteiligungen an den Zürcher Landzeitungen, verliert die Zeitungslandschaft Schweiz weiter an Vielfalt.

Dies ruft das Bundesamt für Kommunikation auf den Plan. «Wir klären momentan ab, ob die Konzessionsbewerber in der Ostschweiz eine marktbeherrschende Stellung haben und falls ja, ob sie diese missbrauchen», sagte Bakom-Sprecherin Deborah Murith gegenüber news.ch. Wenn dies der Fall wäre, darf zum Schutze der Angebots- und Meinungsvielfalt laut Bakom keine Konzession erteilt werden.

Man sei daran, die Frage der marktbeherrschenden Stellung zusammen mit der Wettbewerbskommission abzuklären. Und zwar nicht nur in der Ostschweiz, sondern auch im Aargau und in der Südostschweiz, erklärte Murith.

Mit dem Verkauf der «Thurgauer Zeitung» und ihrem Zusammengehen mit dem «St. Galler Tagblatt» ist quasi die gesamte Medienlandschaft Ostschweiz in den Einflussbereich der NZZ-Gruppe gefallen, zu welcher auch das Fernsehen «Tele Ostschweiz» und «Radio FM1» gehört. Es ist deshalb möglich, dass «Tele Ostschweiz» um seine Konzession noch bangen muss.

Thurgau besorgt

Das Tauschgeschäft der zwei grossen Zürcher Medienhäuser ist insbesondere für den Thurgau bitter. Dort verliert man ein eigenständiges Blatt, denn die einzige Zeitung im Kanton wird künftig von St. Gallen aus geführt werden. Dies, obwohl die «Thurgauer Zeitung» profitabel war, auch im Krisenjahr 2009, wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer ausführte.

«Ich hoffe nur, dass die 'Thurgauer Zeitung' ihre Eigenständigkeit behalten kann und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden können», sagte die ehemalige Chefredaktorin des Blatts, Ursula Fraefel.

Redaktionsstellen weitergeführt

Wochenlang musste das Personal um die Arbeitsplätze bangen. Inzwischen sind die Vorgaben für die künftige Redaktion konkretisiert worden und es scheint klar, dass trotz Stellenabbau die festangestellten Redaktorinnen und Redaktoren der «Thurgauer Zeitung» weiterbeschäftigt werden. «Wir werden allen ein Jobangebot machen können», bestätigte Philipp Landmark, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatt» gegenüber news.ch.

Unterdessen ist auch der Name der neuen Zeitung bekannt, sie wird den Namen «Thurgauer Zeitung» behalten. Gemäss Landmark werden die Redaktionsstandorte Frauenfeld, Arbon, Kreuzlingen und Weinfelden weitergeführt.

Der bisherige Verleger der «Thurgauer Zeitung» und Vorsitzende der Redaktionsleitung, Peter Hartmeier, wechselt zur UBS Schweiz, wo er den Posten eines Managing Directors für die Unternehmenskommunikation übernimmt, wie Hartmeier gegenüber «Klein Report» sagte.

Verlust von Identität

Der Mediendeal gab auch im Thurgauer Kantonsrat zu reden. Eine Interpellation deswegen hatte SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen eingereicht. Er hat die Medienkonzentration im Thurgau am eigenen Leib erlebt. Vonlanthen war früher Chefredaktor der einstigen «Bodensee-Zeitung», welche damals an das «Tagblatt» verkauft worden war.

Das «Thurgauer Tagblatt», welches den Ostteil des Kantons abdeckte, sei je länger je mehr St. Gallen lastig geworden. Als Folgen sieht Vonlanthen einen Abbau der Identität in seinem Kanton. Mit seinem Vorstoss wollte Vontlanthen das Bewusstsein in der Politik und in der Bevölkerung für die Problematik stärken.

«Es ist verheerend, dass der Thurgau keine eigene Zeitung mehr besitzt und nur noch mit einem Blatt bedient wird», sagte Vontlanthen. Er hält die politische Meinungsvielfalt als nicht mehr gewährleistet.

 


 
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