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Web 2.0 verändert Leben und Einkauf

Mittwoch, 20. Dezember 2006 / 07:10 h
 
Die technologische und inhaltliche Weiterentwicklung des Internets hin zum so genannten Web 2.0 verändert das Leben und Einkaufsverhalten breiter Bevölkerungsschichten signifikant und unaufhaltsam. Die Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton stellt jetzt eine erste umfassende internationale Untersuchung des Nutzerverhaltens von Web 2.0 vor. (ks)



Trotz der hohen Kundenakzeptanz von Web-2.0-Diensten: Die neuen Angebote schaffen bisher nur bescheidene zusätzliche Wertschöpfung.

 
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Für die Studie wurden mehrere Tausend Internetnutzer in Deutschland, Grossbritannien und den USA befragt wurden. Das Ergebnis hat auch in der Schweiz Gültigkeit: Mittlerweile nutzen zirka 1,6 Millionen Schweizer aller Altersgruppen und unabhängig von Geschlecht oder Ausbildung interaktive und partizipative Anwendungen wie Communities, Blogs und virtuelle Kontaktbörsen. International verlassen sich bereits heute etwa 50 Prozent dieser Anwender bei Kaufentscheidungen auf Empfehlungen in Web-2.0-Foren.

Klarer Trend

Unter den Top 10 der Schweizer Websites finden sich bereits wesentliche Internetanbieter aus dem Web-2.0-Umfeld wie zum Beispiel Wikipedia, YouTube, Blogger.com. Schweizer Community-Anbieter wie Tilllate.ch oder Students.ch weisen enorme Wachstumsraten auf. Auch der Trend beim Musikhören verdeutlicht dies: Allein in 2005 wurden in der Schweiz 700'000 MP3-Player abgesetzt – ein Anstieg von 250 Prozent gegenüber 2004 – mit iTunes als Marktführer von Online-Musikangeboten vor ExLibris. Damit sind diese neuen Angebote bei weiten Teilen der Bevölkerung bereits integraler Bestandteil des Alltags und bieten neue Chancen wie Herausforderungen für Unternehmen aller Branchen.

Ungebremstes Wachstum

Die Studie prognostiziert, dass die weiter steigende Akzeptanz und Nutzung von Web-2.0-Diensten ein wichtiger Treiber der kontinuierlichen Verschiebung von Offline- zu Onlineaktivitäten und eines weiterhin starken Wachstums der Internetökonomie ist. Beliefen sich die Gesamtumsätze («E-Commerce», kostenpflichtige Dienste, Werbung) im Jahr 2005 noch auf 2,5 Mrd. Franken, so geht Booz Allen Hamilton bereits für 2008 von einem Gesamtvolumen von 6,4 Mrd. Franken für Internetservices in der Schweiz aus. Das grösste Potenzial – mit jährlichen Wachstumsraten von 60% – liegt dabei in kostenpflichtigen Diensten wie Musikdownloads, Premium-Mitgliedschaften in Community-Angeboten oder Online-Games.

Umsatzverschiebung durch Web 2.0

Im Rahmen der Studie sind die Internetnutzer zu ihrer Einstellung gegenüber Web-2.0-Angeboten wie MySpace oder OpenBC/Xing und ihrem konkreten Nutzerverhalten befragt worden. Die daraus resultierenden Ergebnisse dämpfen allerdings etwas die aktuell vorherrschende Web-2.0-Euphorie: «Trotz der sehr hohen Kundenakzeptanz von Web-2.0-Diensten sollte nicht vergessen werden, dass die neuen Angebote bisher nur bescheidene zusätzliche Wertschöpfung schaffen», warnt Dr. Jens Schädler, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton in Zürich. Das Web 2.0 führt im Wesentlichen zu einer Umsatzverschiebung innerhalb eines wachsenden Internet-Marktes und teilweise auch Kannibalisierung traditioneller Internet-Dienste und Umsätze.

Auf Trend reagieren

Medien- und Telekommunikationsanbieter müssen auf diesen Trend reagieren, um langfristig zu überleben. So belegt die Studie eine konkrete Bedrohung für die etablierten Anbieter durch Web-2.0-Anwendungen und IP-basierte Kommunikationskanäle wie Internet-Telefonie und Instant Messenger. Diese erzeugen zwar zusätzliche Nutzung, ersetzen aber auch einen Teil der heute über klassische Telekommunikationsanbieter geführten Kommunikation. «Sprach- und vor allem Messaging-Dienste (z.B. SMS, E-Mail) werden zunehmend an den traditionellen Anbietern vorbei über das Internet abgewickelt», sagt Alex Koster, Projektleiter bei Booz Allen Hamilton in Zürich.

Signifikante Nachfrage nach mobilem Web 2.0

Aus Sicht der Strategieberatung ergeben sich für die Telekommunikations-, Internet-, Medien- und Entertainment-Branche aber auch Chancen für neue Geschäftsmodelle und Anwendungen. So zeigt die Umfrage eine deutliche Nachfrage nach mobilen Web-2.0-Diensten. Anbieter müssen sich mit dem veränderten Nutzerverhalten auseinandersetzen; so bietet die Telekommunikationsanbieterin Swisscom seit einigen Monaten die Swisscom Mobile Labs an, bei denen Nutzer neue Produktideen in frühem Stadium testen und ihre Anmerkungen einfacher an Swisscom zurückgeben können.

Allerdings werden mittelfristig nur einige der neuen Modelle und Anbieter überleben. Die grossen und etablierten Internetunternehmen befinden sich in der besten Ausgangsposition, um vom Web 2.0 zu profitieren. Langfristig sind nur jene Geschäftsmodelle erfolgreich, die durch eine konsequente Ausrichtung des Angebotsportfolios eine kritische Masse an Nutzern gewinnen, damit relevante Netzwerkeffekte erreichen und die Kunden langfristig an sich binden können.


 
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